Quantz Traversflöte 392 Hz / 415 Hz
ca. 1740
Johann Joachim Quantz (geb. Oberscheden 1697, gest. Potsdam 1773) war sicherlich einer der berühmtesten
und (auch finanziell) erfolgreichsten Flötenbauer Deutschlands.
Sich der Ausbildung zum Schmied widersetzend (obwohl ihm der Bericht seiner Exhumierung eine dafür durchaus
geeignete Körperstatur bescheinigt) folgte eine musikalische Laufbahn, die ihn in Stellung und Gehalt stets
nach oben führte und deren Andauern bis an sein Lebensende durch Nichts wesentlich beeinträchtigt wurde
(von einer etwas herrischen Ehefrau einmal abgesehen ...).
Von 1739 an baute er für den Kronprinzen Friedrich von Preußen, den späteren König Friedrich II., Flöten,
die für mich die ausgeklügeltesten und fortschrittlichsten Instrumente
ihrer Zeit darstellen: schrauben-verstellbarer
Stimmkork, ein in perfekt passenden Messinghülsen laufender Kopfauszug, getrennte Dis- und Es-Klappe für die
Verdeutlichung des pythagoräischen Kommas zwischen beiden Tönen.
Die Original-Intonation überrascht zunächst, wird aber verständlich, wenn man die Quantz’sche Überlegung
nachvollzieht, dass es wichtig sei, die Grundtöne der spielbaren Tonarten "rund und fertig herauszubringen".
Also ist ein gutes F viel wichtiger als ein gutes Fis etc. Diese Radikalität der Intonation lässt viele
moderne Spieler zurückschrecken, aber man muss bedenken, dass es die exklusivsten Flöten der damaligen
Zeit waren: nur gebaut für den Geschmack eines einzigen Menschen, der zu diesen Flöten noch die passende
Musik in Hunderten von Konzerten und Solos von Quantz geliefert bekam.
Die radikale Intonation wird bei den Kopien etwas abgemildert, ohne den voluminösen Klangcharakter zu
verändern, ebenso wird die Messinghülse nicht eingebaut, um ein Reißen des sehr dünnen Kopfes zu verhindern.

Eine Besonderheit stellt die Kopie in Buchsbaum dar, da alle bisher bekannten erhaltenen Originale in
Ebenholz ausgeführt sind. Bei einem Besuch im Bayreuther Stadtschloß entdeckte ich eine Gouache mit
Darstellung des Markgrafen Friedrich von Bayreuth (dem Schwager von Friedrich II und bewiesenermaßen
ebenfalls Quantz-Schüler). Er ist als Förderer der Schönen Künste vor einer einwandfrei dargestellten
Quantz-Flöte aus ungebeiztem hellem Buchsbaum-Holz abgebildet. Ein Bild, das bisher von der Quantz-Ikonographie
vollkommen übersehen wurde und den Beweis für eine „helle“ Quantz-Flöte liefert. (Ich hatte diesen Hinweis
2004 der zur Zeit bedeutendsten Quantz-Forscherin Mary A. Oleskiewicz gemailt, und hoffe sehr, dass sie ihn
in ihrer geplanten großen Quantz-Biografie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht).
Die Buchsbaum-Quantz klingt erstaunlich groß und füllig, dabei aber weicher als die Ebenholz-Ausführungen.
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